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The Very Last Entry

Nachdem ich am 1.April aus gegebenen Umständen schon mal den letzten Eintrag angekündigt hatte, folgt er nun hiermit tatsächlich, denn es ist vollbracht: Am 20.Mai um 16:25 hatte ich den Nachweis, daß ich das Graecum bestanden habe, endlich in der Tasche, und das gar nicht mal so schlecht – 8 Punkte in der schriftlichen und 11 in der mündlichen Prüfung ergaben insgesamt ein Prädikat von gut und läßt mich endlich ohne gruslige Hintergedanken an meine Dissertation herantreten.

Als Abrundung dieses Livejournals folgen nun noch die Bilder, die ich in Braunschweig geschossen habe, ansonsten möchte ich mich nochmals fürs Mitlesen bedanken und begebe mich nun – jedenfalls was DIESES Journal betrifft – offline.




Braunschweig

Prüfungstag

Für den Fall, daß man sich hundertprozentig sicher ist, die Griechischklausur verhauen zu haben, fließt unmittelbar am Wilhelm-Gymnasium zu Braunschweig gleich mal die Oker entlang. Die Brüstung ist nicht sehr hoch und der Fluß nicht tief, so daß man zwar nicht im sicher nicht mehr ganz so eisigen Wasser erfriert, sich aber statt dessen alle Gräten bricht, wenn man ungünstig bzw. günstig auf dem Grund aufkommt. Sollte man direkt nach Beendigung zwar einen gehörigen Anlaß aber noch nicht seinen ganzen Mut beisammen haben, empfiehlt sich zunächst der Besuch der zünftigen Freß- und Saufmeile in naher Entfernung, und man kann sich erst einmal besinnungslos betrinken, ehe man sich von zwei guten Freunden wieder zurück zur Brücke tragen läßt (sollten keine Freunde bei der Hand sein, kann man im voraus immer noch Wirt und Bedienung fragen, ob sie so freundlich wären). Ist wirklich alles gut durchdacht – rein theoretisch dürfte auch der Friedhof nicht weit sein, doch den habe ich auf meinem kurzen Streifzug vorgestern Abend weder gesucht noch zufällig entdeckt.
 
Was ich entdeckt habe, ist ein Mahnmal namens Löwenwall zu Ehren der Braunschweiger Herzöge Friedrich Wilhelm und Karl Wilhelm Ferdineand, die im Kampf gegen Napoleon gefallen sind, das einem antiken Hippodrom nachempfunden sein soll, also eine ovalförmige Grünfläche besitzt mit Obelisk in der Mitte, wobei das selbstverständlich ein grober Schnitzer des Architekten ist, wenn er wirklich vorhatte, diesem Park etwas antikisierendes beizubringen, schließlich befindet sich der Obelisk in einem Hippodrom stets auf dem Goldenen Schnitt der Konstruktion, aber vermutlich entspricht das heute nicht mehr dem ästhetischen Empfinden der Mehrheit des tumben Volkes, so daß man sich der fehlerhaften Optik bedient hat (Satzende). Jedenfalls stand der Obelisk inmitten eines grünflächenlosen Quadrates, an dessen vier Ecken jeweils eine Skulptur eines sitzenden, lebensgroßen Löwen stand, was gleich zwei guten Omen entsprach: Löwen und die Vierzahl derer. Vielleicht haben wir deshalb gestern einen derart leichten griechischen Text bekommen, daß ich mich fragte, ob uns die Prüfer verarschen wollten: es gab einen AcI, ein Partizip, ansonsten lediglich Nominative und Formen von eimi (sein). Doch ich bin vorsichtig geworden mit Voraussagen und Prognosen. Daher kündige ich lediglich an, daß meine mündliche Prüfung am 20 Mai 08 von 15:30 bis 16:00 Uhr stattfinden wird. Dann kann ich auch meinen Photoapparat mitnehmen und ein paar Bilder machen. Diesmal hatte ich ihn leider zu Hause vergessen, aber da ich stets irgend etwas vergesse, wenn ich irgendwohin fahre, war es gut, daß ich den Photoapparat vergessen habe und nichts für die Prüfung essentiell wichtiges. Sogar den Gemoll hätte ich zu Hause lassen können, immerhin mußten wir ein schuleigenes Wörterbuch benutzen, ein sehr alter Schinken, in dem die deutschen Übersetzungen noch in Fraktur standen. Für mich war das kein Problem, ich habe auch schon ganze Bücher in Fraktur gelesen, und unser dritter Griechischprüfling war altersmäßig sicher schon jenseits der 60, so daß das für ihn auch kein Problem gewesen sein dürfte. Doch 20jährige Abiturfrischlinge ohne angestaubte Bibliothek zu Hause oder ein wenig Interesse für alte Schriften wären sicher aus allen Wolken gefallen.
 
Das soll es aber von der Prüfung gewesen sein. Ansonsten hoffe ich einfach mal, daß ich bis zum 20 Mai 08 vom Wilhelm-Gymnasium keinen Anruf bekomme, was bedeuten würde, daß ich zur mündlichen Prüfung kommen darf.

Charlton Heston is dead

 
I’m that depressed for the moment, I have to write this entry in English though. I’m not depressed because of the death of Charlton Heston – no, no, no … no! I mean he was a bit of a strange character, obviously he was great in Ben Hur, but strange off the Hollywood business. No, surely I’m depressed because of the own goal by Richard Dunne of City against Chelsea in the Premier League. There was a sunny, cheerful beginning just before the referee’s first whistle: handshakes and coining with John Terry; both had much to talk and it seemed to be very funny – laughs all over – and though I was laughing. But right after six minutes it was all gone: incoming cross from the right by Nicolas Anelka of Chelsea and Dunney in the middle wanted to block to a corner but missed a bit with his left foot to score past Joe Hart. It was a nice goal but at the wrong end of the pitch obviously. There was a good City performance later on, but Carlo Cudicini in the Chelsea goal saved on a few occasions, so it was Chelsea to score the second one, not City the equalizer. But I have some hopes now that there is some truth in the idiom history always repeats itself, because last season Dunney also scored an own goal at Wigan on the crucial 4-0 defeat but scored the winning goal against Middlesbrough one week later. It would be very nice!
 
Was there any other remarkable event on the weekend? Let me think about it for some seconds … NO, not the slightest. Just translated the whole two days from Ancient Greek into German, learning some phrases, reading around. And … okay, there were two little remarkable occasions by the way: First, the broccoli-stew is very tasty and a good alternative to the fennel-stew; second: my neighbour Toni came round for the last thirty minutes of the City game. The lad is quite nice but it turned out, that he is a Man Utd supporter. Everybody has his small mistakes. But I work on it: maybe I can convert him to the right Manchester club.

Lucy in the Sky with Diamonds

 
Im Netz-Radiosender läuft irgendein Psychedelic/Underground-Zeug, die Sonne geht in rot-gelb-blau-grünen Schlieren unter und in meiner Magengegend macht sich gerade ein sehr flaues Gefühl breit. Wahrscheinlich liegt das in erster Linie an der Packung Cracker, die ich vor gut einer Stunde in mich hineingestopft habe, doch auch das ist nur ein Symptom meiner gegenwärtigen Verfassung, die von Tag zu Tag schlimmer wird. Wenn ich dieses Gefühl schon beim ersten oder zweiten Graecum-Versuch gehabt hätte, könnte ich den Wisch, der mir den gelungenen Abschluß des Graecums bescheinigt, längst in meinen Fingern halten (wahrscheinlich würde er schon längst in irgendeiner Zimmerecke vor sich hin stauben).
 
So hatte ich heute zwei Zugfahrten nach und einen Hotelaufenthalt in Braunschweig zu organisieren, was noch leicht war. Einige noch fehlende Anmeldeunterlagen kann ich nachreichen (per Fax), doch als ich im Wilhelm-Gymnasium zu Braunschweig nach dem zeitlichen Beginn der Klausur gefragt habe, wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen! Ich dachte schon, 9:00 Uhr (wie es in Dresden war) sei früh, aber 7:45 Uhr schlägt wirklich alles (und es ist wirklich früh, nicht etwa abends – ich habe extra nachgefragt!) – hat allerdings auch sein gutes: schließlich kann man sich danach noch gemütlich wo hinsetzen, was essen und dann am mittleren Nachmittag abfahren, um am frühen Abend wieder in Dresden zu sein (man = ich).
 
Wenn man so vom Essen schreibt, bekommt man richtig Hunger. Es ist zwar langweilig, aber ich werde in etwa einer halben Stunde wieder ein Stew aufsetzen, diesmal allerdings nicht mit Fenchel, sondern mal mit Brokkoli (es gab keinen Fenchel). Was an diesem Essen einfach unschlagbar ist, ist seine Verwertbarkeit über drei Tage lang – das bedeutet für mich, daß ich mich morgen ganz auf die beiden Übungsklausuren und natürlich City vs Chelsea konzentrieren kann.

It's Raining Cats and Dogs

 
Es geht weiter mit den Selbstverstümmelungen. Gestern bin ich mit dem Fahrrad nach Hause gekommen und hatte danach nichts besseres zu tun, als mir die rechte Hand beim Heruntertragen des Fahrrades in den Keller an der rauhen Wand aufzuschürfen. Heute nun – eben gerade – habe ich mir den rechten Fuß am Abfalleimer in der Toilette auf Arbeit angestoßen. Einige Flüche später sitze ich nun am Computer und rege mich gerade wiederholt über den Poststreik auf, der meinen gesamten Wochenzeitplan durcheinandergebracht hat. Ich hoffe, morgen ist wieder alles im Lot.
 
Sonst gibt es eigentlich nichts neues (obwohl das mit den Verletzungen ja auch nicht direkt etwas neues ist). Wetter ist prima, also regnerisch, die Blasen vom montäglichen Fußball sind bald wieder verheilt und die Übungsklausur für morgen habe ich auch schon längst übersetzt, so daß ich mich heute Abend vor den Champions League-Spielen Arsenal vs Pool und Fenerbahçe vs Chelsea endlich mal um mein Proseminar kümmern kann – fängt schließlich schon am 16. April an (obwohl ich schwer damit liebäugle, die erste Veranstaltung wegen der Graecum-Prüfung am 17. April ausfallen zu lassen).
 
PS. Angesichts dieses Eintrags ergibt sich für den logisch mitdenkenden Leser selbstverständlich, daß das gestrige Statement ein Aprilscherz war. Aber da mich ohnehin kaum mehr jemand ernst nimmt, denke ich, daß niemand wirklich darauf hereingefallen ist.

It's done!

 
Ich geb’s auf – Griechisch ist gestorben. Ich habe es so satt, die Partizipien nicht zu erkennen, die Optative zum x-ten Male nicht richtig zu übersetzen etc. pp. Und wozu ist das schon gut? Das Leben besteht aus mehr als Graecum und Dissertation – ich will endlich leben und nicht alles von einer blöden Prüfung abhängig machen. Das ist entsprechend auch mein letzter Eintrag hier – vielen Dank für’s Mitlesen.

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Thálatta, Thálatta!

Eine aufwühlendere Zugfahrt nach Hause wie die gestern von Marburg nach Dresden mußte ich noch nie durchmachen. Ich schreibe das auch nicht detailliert, weil es mir einfach zu peinlich ist und ich nicht will, daß andere Leute das lesen, auch wenn es die wären, die es betrifft. Egal.

 

Jetzt bin ich wieder in Dresden und muß zusehen, daß ich das Griechische im kommenden Monat nicht wieder verliere. Den Teil für heute habe ich jedenfalls geschafft – ein Xenophon-Text ... nein, DER Xenophon-Text aus der Anabasis, als die verbliebenen Soldaten nach der Niederlage gegen die Perser mit Mühe und Not das Schwarze Meer erreichen – ein sehr aufwühlender, emotionaler Abschnitt ... ich weiß nicht, was sich Roland dabei gedacht hat, uns gerade zu DIESEM Zeitpunkt des Kurses DIESEN Text übersetzen zu lassen. Vielleicht bin ich auch deshalb so ergriffen, weil T.E. Lawrence, als er in Südfrankreich als circa 16jähriger zum erstenmal das Mittelmeer sah – in Erinnerung an die Xenophon-Stelle – begeistert q£latta, q£latta ausgerufen hat. Wegen dieser Zusammenhänge wußte ich natürlich diesmal auch wieder, worum es in dem Text ungefähr geht, aber übersetzt hatte ich ihn noch nicht – vielleicht hat mir das ja nun mal geholfen.

Bilder #05

Ein paar Bilder habe ich noch auf der Speicherkarte meiner Kamera herumschwirren, die ich hier noch zur Ansicht bringen will – völlig ohne inneren Zusammenhang – trotzdem: viel Spaß!


Bilder #05Collapse )

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Langsamer Abschied

Ein klein wenig Wehmut macht sich in mir breit, wenn ich daran denke, Marburg am Samstag Nachmittag wieder verlassen zu müssen, und es ist nicht unbedingt die Stadt, sondern es sind die Menschen, mit denen ich hier zu tun hatte, die ich vermissen werde. Wie unsere Exkursionsgruppe in Jordanien, so war auch der zusammengewürfelte Griechischhaufen, dessen Teil ich war, nicht einfach nur ein Haufen von Individuen, sondern eine wirkliche Gruppe, in der jeder mindestens vier oder fünf oder mehr Individuen gefunden hatte, mit denen er gut klar kam – es war also ein Netzwerk, das gemeinsam funktionierte und den ganzen Kurs auf diese Weise angenehm gestaltete.
 
Roland hat nach einer Woche schon gesagt, daß es ihm so vorkäme, als würde er uns schon drei Wochen kennen. Er hat es damals darauf geschoben, daß er wegen der Lernplattform unsere Namen schon vor Beginn des Kurses vor sich hatte, Benutzungsbewegungen wahrgenommen und dadurch möglicherweise schon eine anonyme Beziehung aufgebaut hat. Ich denke eher, daß die Truppe aus derart vielen höchst individuellen, interessanten Menschen bestand, daß man eher geneigt war, sich mit denjenigen näher zu befassen, sie kennenlernen zu wollen und sie nicht nur wahrgenommen hat als zufällig auch in diesem Kurs Sitzende.
 
Natürlich werden wir in den kommenden zwei Wochen noch einen lockeren Kontakt zueinander haben, wenn wir die zu übersetzenden Übungsklausuren bis zur tatsächlichen Graecums-Klausur miteinander über Skype besprechen, eventuell wird der ein oder andere mit jemandem aus dem Kurs darüber hinaus in Kontakt bleiben, aber so als Gruppe kommen wir nie wieder zusammen.
 
Vor Beginn des Kurses hatte ich lediglich eine Erwartung: daß ich die griechischen Strukturen in ihrem Funktionieren begreife und durchschaue, vor allem aber mitbekomme, wo meine Schwächen liegen, so daß ich diese ausmerzen oder zumindest kontrollieren und einschränken kann, wenn schon nicht völlig eliminieren. Das habe ich geschafft. Ich weiß jetzt, daß Partizipien meine große Schwäche sind und daß ich die Grammatik zwar zu 80% erkenne, aber nur zu etwa 50% so übersetze. Ein Nachteil ist natürlich auch, daß ich circa 90% der Übungsklausuren schon kannte, entweder vom schon Übersetzen oder aus der Lektüre des jeweiligen Platon-Textes heraus. Bei der Kreativität, die ich dann an den Tag lege, prägt sich mir – um mit Platon zu sprechen – schon ein vorgefertigter Text an meinem Gehirn ein, den ich leider selten ignoriere. Heraus kommt dann meist Unsinn, wenn ich schon den ersten Satz falsch übersetze, aber einen gewissen Sinn hereininterpretiert habe – in der Folge werden selbstverständlich auch die anderen Sätze falsch bzw. sammeln sich viele Fehler, die nicht hätten sein müssen. Mit diesem Wissen aber im Hinterkopf und noch einigen zu übersetzenden Übungsklausuren in der Hinterhand, dürfte ich dieses Defizit auf ein Normalmaß zurückschrauben können.
 
Das war also die Erwartung, die mir erfüllt wurde, doch nie hätte ich gedacht, daß der Kurs an sich, als eine Gruppe von Menschen, nicht nur eine Gruppe von Menschen sein würde, sondern sich als etwas tiefergehendes entwickeln würde, als eine Gemeinschaft, in der man sich (über weite Strecken) wohlfühlt, in der man sich für keine Frage schämen muß, wo kein Fehler hämisch belacht wird, wo man einfach der sein kann, der man ist. Mag sein, daß nur ich das so empfunden habe, aber allgemein gesehen kam es mir so vor, als hätten sich zumindest 85% der Teilnehmer in dem Kurs sehr wohlgefühlt.
 
Ich jedenfalls werde Frodo, Sam, Merry, Wolfgang Niedecken, Alexander Klaws, Cameron Diaz und wie ich sie alle getauft habe vermissen. Falls ihr das hier lest: Ich wünsche euch allen, daß ihr die Prüfung besteht und würde mich freuen, euch auf dem einen oder anderen Weg einmal wiederzusehen.

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Luise is Back!

Wir schreiben Dienstag, den 25. März A.D. 2008 – Andrea ist wieder in der WG und Luise auch. Für all jene, die diesen Blog von Beginn an durchgehend gelesen haben, werden wissen, wer Luise ist: unsere Hausmaus. Heute Morgen habe ich einen Zettel von Andrea auf dem Küchentisch gefunden, auf dem sie mich fragte, ob ich auch abends merkwürdige Geräusche in der Küche gehört hätte – ich überlegte kurz und schrieb in gewisser Eile zurück: nein, vielleicht stimmt ja was mit dem Herd nicht.

 

Heute Abend nun sind ihr Freund und ein Kumpel zum Videoabend da, und offensichtlich kamen wieder irgendwelche Geräusche aus Richtung des Herds, so daß einer der Jungs das Plattenfach herausgezogen hat – es folgten wieder Andreas spitze Schreie, denn Luise kam just beim Öffnen des Faches aus eben diesem gesprungen und stürmte prompt ins Bad hinein, wo die beiden Jungs gegenwärtig zugange sind und versuchen, sie da herauszulocken.

 

Es wird wohl wieder eine lange Nacht. Leider bin ich bei der Jagd keine große Hilfe, da ich – mittlerweile schon ohne Kontaktlinsen und ohne Brille – mit vier Dioptrien nur noch völlig verschwommen sehe – eine Maus könnte daher auch ein Lappen sein, ein rennender wohlgemerkt.

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